In Kürze

ORi-Kalender

< Dezember 2018 >
MontagDienstagMittwochDonnerstagFreitagSamstagSonntag
          1Schreiben gegen die Norm(en)?Schreiben gegen die Norm(en)?Zeit: 20:00 - 22:30
Schreiben gegen die Norm(en)? – Lesung und Gespräch mit Anna Hetzer, Anja Kümmel, Kevin Junk und Donat Blum Das Offene, Nichtfestgelegte, Experimentelle, Queere als poetologische Prinzipien des Schreibens zu begreifen, folgt einer bestimmten Art des Denkens. Es zeigt sich literaturhistorisch vor allem am Mut der Schreibenden, mit dem, was als normativ gesetzt wurde, anders umzugehen, vor allem aber als Engagement gegen bestehende heteronormative und dominanzkulturelle Strukturen in der Gesellschaft. Ein solches Schreiben fordert literarische und literaturbetriebliche Prozesse heraus und nähert sich heute mit besonderer Dringlichkeit den von Diversität geprägten Identitäten und Realitäten an – ohne poetologische Ismen zu bemühen. Dies zeigen die Autor*innen an dem Abend mit ihrer vielfältigen Gegenwartsprosa und -lyrik und ihren sehr unterschiedlichen literarischen Ansätzen.
2
3 4 5 6 7 8 9Panel discussion Roman Woman in FilmPanel discussion Roman Woman in FilmPanel Discussion: Romani Women In Film + Screening: Phral Mende 9. Dez. 15 Uhr PANEL DISCUSSION: ROMNJA & SINTIZZE IN FILM
With: Tayo Awosusi-Onutor, Dr. Anna Mirga-Kruszelnicka, Ursula Schmidt, Angelica Ström
Moderation: Gaby Babić Followed by the screening of PHRAL MENDE – ABOUT US PHRAL MENDE – ABOUT US
By Tayo Awosusi-Onutor
Germany, 2017
45’
10 11 12TextwerkstattTextwerkstattWir diskutieren neu entstehende arbeiten junger Autoren. Ori Berlin 13Zwischen Zokolo und Bahnhof ZooZwischen Zokolo und Bahnhof ZooZwischen Zócalo und Bahnhof Zoo: Lesung und Gespräch mit Esther Andradi und Natascha Gangl Moderation: Christiane Quandt (alba.lateinamerika lesen)
Ort/Datum: Donnerstag, 13.12.2018, 20:00 Uhr; ORi, Friedelstraße 8, 12047 Berlin Neukölln
Bild: Camille Bonaldi
Sprache: Deutsch
Zwei Autorinnen, deren Protagonistinnen sich auf unterhaltsame Weise fremde Städte und Räume aneignen, sprechen über den Literaturmarkt, das Schreiben und die literarische Verarbeitung von urbanen Umgebungen. In Esther Andradis Roman "Drei Verräterinnen", der 2009 auf Spanisch erschien und dieses Jahr in der Übersetzung von Christiane Quandt bei KLAK publiziert wurde, sucht und findet die Argentinierin Bety ihren Weg durch das geteilte Berlin.
Sie bewegt sich zwischen den Hinterhöfen besetzter Häuser, der Illusion von der großen Liebe, dem großen Verlust und den Gewürzregalen einer Berliner Kommune. Das Berlin der 1980er Jahre spielt dabei eine ebenso zentrale Rolle wie der Roman im Roman, in welchem die Drei Verräterinnen von den Eingeweiden der Stadt ausgehend eine feministische Revolution planen. Die Spannung zwischen der Fremdheit einer unwirtlichen Stadt und der Vertrautheit einer „chaotischen“ Gemeinschaft zieht die Leser*innen in den Text hinein und lässt sie nicht mehr los.
Bei Natascha Gangl ist es Mexiko, die Stadt und das Land, wo sich die aus Pferdecomics bekannte Protagonistin Wendy zwischen dem Zócalo, Marktständen und den zahlreichen intensiven Sinneseindrücken bewegt. "Wendy fährt nach Mexiko" erschien 2015 bei Ritter Literatur und wird derzeit von Andrea Beltrán Arruti ins Spanische übersetzt. Der Text spielt mit avantgardistischen Elementen, mischt Sprachen und Genres, galoppiert durch die Klischeewelt eines dekadenten mexikanischen Totenkults und bleibt dabei doch fern jeden klischeehaften Kitschs. Auch hier geht es um Liebe, Verlust, Identität und Fremdheit. Wie bei Andradi begibt sich eine weibliche Figur auf eine abenteuerliche Reise in eine Fremde, die allmählich vertraut wird.
Esther Andradi (Argentinien/Berlin) ist Autorin und Kulturvermittlerin. Sie lebt seit den 1980er Jahren mit einer längeren Unterbrechung in Berlin und schreibt Essays, Romane, Kurzprosa, Mikrofiktion und Poesie. Ihre literarischen Reportagen über Kultur, Migration und Erinnerung sind in verschiedenen Medien in Lateinamerika, Spanien und Deutschland erschienen. Sie ist auch Herausgeberin der Anthologie "Vivir en otra lengua" (In einer anderen Sprache leben), in der die Literatur lateinamerikanischer AutorInnen, die in Europa schreiben, vorgestellt wird. Ihre Werke wurden in mehrere Sprachen übersetzt, unlängst ins Isländische. Natascha Gangl (Österreich/Mexiko) ist Autorin und Theatermacherin und lebt und arbeitet „zwischen“ Österreich und Mexiko. Sie studierte Philosophie und szenisches Schreiben in Wien und Graz. Sie schreibt Prosa, Theatertexte, Essays und erarbeitet theatrale Installationen, Hörstücke und Live-Klangcomics. 2015 erschien ihr Roman "Wendy fährt nach Mexiko" bei Ritter, 2018 folgte das Hörstück WENDY PFERD TOD MEXIKO heraus (ORF). gangl.klingt.org Christiane Quandt (Berlin) ist Übersetzerin und Kulturvermittlerin. Sie hat an der Universität Mainz Übersetzung studiert und war bis 2015 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lateinamerika-Institut der FU Berlin. Seit 2015 ist sie Redaktionsmitglied der Zeitschrift für lateinamerikanische Literatur alba.lateinamerika lesen. Zu ihren Buchübersetzungen zählen "Das Margeritenkloster" von Lucero Alanís (Ripperger & Kremers, 2017) und "Drei Verräterinnen" von Esther Andradi (KLAK, 2018). Sie lebt und arbeitet in Berlin. Ori berlin
14 15 16WeihnachtenWeihnachtenSonntag, 16. 12. 20 Uhr: Weihnachten Die Gewalt wächst in unserer Gesellschaft. Es wird beleidigt, geprügelt, auf offener Straße Gewalt ausgetragen. Es scheint keine friedvolle Gesellschaft, die 2018 Weihnachten feiern will. Wie spiegelt das unsere Literatur? Wir haben vier Autoren eingeladen, in deren Texten unterschwellig oder direkt Gewalt thematisch wird, die körperliche, die seelische, Gewalt in der Geschichte, durch Kriege, durch die Natur. Maruan Paschen: Weihnachten Maruan Paschens erfolgreicher Roman „Weihnachten“ zelebriert den schönste deutsche Familienfest, bei den Paschens wird Fondue gegessen, werden Geschichten erzählt. Der Erzähler in Maruan Paschens rasantem tragikomischen Familienroman berichtet einem Therapeuten vom letzten Weihnachtsfest mit seiner Familie: seine alleinerziehende Mutter und ihre Brüder. Es geht um eine Liebesbeziehung im Kaufhaus, den kranken Onkel Art, der einen Weihnachtsbaum samt Auto klaut, Onkel Tarzan, der Araber hasst und von seiner Familie verlassen wurde, und Onkel Berti, der beim Versuch, das Weihnachtskonzert zu dirigieren, den Fonduetopf umwirft.Und und und. Doch bald schon mischt sich Skurriles unter, die Familie sitzt mit Handschellen am Tisch, der Tod wird allen angekündigt. Aus dem Fest der Liebe wird ein Fest der Tragödien, der Einsamkeit und der Selbstmorde.Voll abgründigem Witz erzählt Paschen, immer wilder werden die Geschichten und immer mehr erfährt man vom Leben des Erzählers und seiner Familie. In Erinnerungen an frühere Weihnachtsfeste und die Familiengeschichte tritt die Vergangenheit wieder hervor. Alte Kränkungen und dunkle Geheimnisse, die über Generationen weitergegeben werden und das Leben schleichend vergiften, kommen ans Tageslicht. Aber wer tötete wen? Und wer war der Therapeut?
»Kein reiner humoristischer Roman, sondern ein kluger Text mit aberwitzigen Ideen und Formulierungen. Ein Buch, das unterhält und unglaublichen Spaß macht.«
– Hauke Harder, Leseschatz
»Diese Familiengeschichte, in ihrer ganzen Zersplittertheit und ihren verwirrenden Konstellationen, ist vielleicht die ehrlichste, die seit langem geschrieben wurde.«
– Fabian, Thomas, The Daily Frown
»Maruan Paschen gelingt mit „Weihnachten“ ein absonderlich-absurdes Kammerspiel; der Roman erzählt von einem Familientreffen, nach dem nichts mehr so ist, wie es einmal war.«
– Bernd Schuchter, Buchkultur
»Paschens Erzählungen strotzen nur so von Skurrilität und Metaphern und bieten dem Leser ein intelligentes Sammelsurium an Familiengeschichten, bei dem man nicht anders kann, als an eigene Familienfeste zu denken.«
– Christian Straub, ekz-bibliotheksservice
»Absurd, rasant, zum Heulen und Lachen schön.«
– Öko Testmagazin
»Im besten Sinne skurril, neurotisch und absurd!«
– Martin Hoffmeister, Rotary Magazine
Andreas Altmann, Weg zwischen wechselnden Feldern (Poetenladen, 2018) Andreas Altmanns Gedichten wird magische Schönheit und Einfachheit nachgesagt. Der neue Gedichtband zeigt jedoch einen Lyriker, der ungekannte Wort- und Sinnfelder auslotet. Er erkundet Naturlandschaften, im Bild eines Weges werden Felder, Böden, Erden, Terrains poetisch belebt, in die zunehmend jedoch Fantastisches einfällt, Geister von Toten, Engel, lebendig gewordene jüngste deutsche Geschichte, die Geschichte auch der eigenen Kindheit. Viel Trauer ist in den Gedichten gegenwärtig, Kälte, Gewalt. Der Gedichtband beginnt stakkatohaft mit „Wortfeldern“: „hunde, ein engel, gestutzte bäume, gesprungener asphalt, risse an den frosträndern des fleisches. metallklänge im gehwind, kopfreiter, gewehrläufe, knackende haut, laute, streusandteppiche, augenwasser, schwimmende straße. gesichtsverluste. tränenfugen. maria kranichtänze, zaunfelder. helle klopfgeräusche. stimmen. fäden aus zwischenräumen. strickmuster gedächtnis. ein weißer handschuh im schnee.“ Dann schwingt Altmann sich immer wieder auf die Schönheit der Sprache ein, in der alles aufgehoben scheint: „ein grüner wind hat seinen schlaf über das land gespannt. träume wildern in der wirklichkeit.“ „Die Partitur aus übereinander angeordneten Geräuschen und Farben ermöglicht Nachempfinden bis hin zu synästhetischen Wahrnehmungen... Der Leser befindet sich in einem eindringlichen Spannungsfeld von Realität und Fantasie, logischen und unlogischen Ereignissen, Tod und Lebendigkeit... Indem sich Erzähltes und Erinnertes verbindet, öffnen sich Räume voller feiner Melancholie.“ literaturkritik.de Andreas Altmann wurde 1963 geboren in Hainichen (Sachsen), zahlreiche Veröffentlichungen in Anthologien, Zeitschriften. sein lyrisches Werk erscheint im „Poetenladen“ Das zweite Meer 2010, es gibt eine andere Welt (hg. mit A. Helbig), Art der Betrachtung, 2012, die lichten Lieder der Bäume liegen im Gras und scheinen nur so, 2014. Jan Skudlarek, * 1986, früher vor allem Lyrik (u.a. Elektrosmog bei luxbooks, - du hast Lippen wie Mozart, Sukultur). Promotion zu einem sozialphilosophischen Thema, nämlich der Ontologie von Gruppenabsichten (können gruppen absichten haben oder nur individuen?). jetzt vor allem populärwissenschaftliche Sachbücher zu gesellschaftlichen Themen. der Aufstieg des Mittelfingers beschäftigt sich teils im Ton scherzhaft, doch im Thema ernst mit (den Grenzen) der Meinungsfreiheit und des Sagbaren, mit Macht und Hass, sprachlicher Gewalt im Internet und Offline, mit Hetze, Politik, Menschenbild. politische Korrektheit wird als soziale Achtsamkeit gedeutet, Beleidigung oft als Machtanspruch, als akt des Raumgreifens. als Grenzüberschreitung, die es zu analysieren lohnt. Im März 2019 erscheint ein weiteres Sachbuch; diesmal bei Reclam unter dem Titel: die ganze Wahrheit und andere Lügen. wie wir erkennen, was echt und wirklich ist.
Das neue Buch beschäftigt sich mit Fragen der wahren Wirklichkeitsbeschreibung und mit Verschwörungstheorien.
Houssam Hamade „Sich Prügeln. 18 Geschichten aus dem Leben“ (2018)
Es sind rohe Erzählungen, die Houssam Hamade in seinem Band „Sich prügeln. 18 Geschichten aus dem Leben.“ versammelt. Roh deswegen, weil hamade den stimmen der gewalt einen raum verschafft, in dem sie brüllen, abwägen, pointieren können – so, wie es ihnen gefällt. An keiner Stelle wird verherrlicht, immer wird nach Gründen gesucht: was macht diese Prügelei zu einer notwendigen? Hätte die Situation auch anders gelöst werden können? Es spricht für Hamades Schreibkunst, dass es keiner Exposition bedarf, keines exhaustiv erläuterten Settings, damit wir uns zurechtfinden im Spannungsverhältnis von Körperlichkeit und Sprache, am Puls dieses immer wieder neu vermessenen Narrativs aus gewonnener und verlorene Würde, aus erlittenem und zugefügtem Schmerz.
Houssam Hamade studierte an der Humboldt Uni Sozialwissenschaften. Er schreibt für verschiedene Zeitungen, unter anderem die Zeit, Taz und Cicero. während des Studiums gründete er gemeinsam mit anderen einen profitlosen Tanzklub in Kreuzberg. Er arbeitete außerdem lange als Türsteher und nahm an Kickboxwettkämpfen teil. "Sich Prügeln" ist sein erstes Buch. Es ist geplant als erster Band der Reihe "Geschichten aus dem Leben". Darin schildern Erzähler Grenzsituationen, die sie erlebt haben, und wie sie damit umgehen Ori Berlin
17 18 19 20 21 22 23
24 25 26 27 28 29 30
31            

Das ORi

Mitten im Reuterkiez, Friedelstraße 8. Ein Ladengeschäft, in welchem früher ein Goldwarenhändler, ein Waschmaschinenreparateur, dann niemand mehr ansässig war. Vor über 10 Jahren öffnete hier das ORi seine Türen. Das ORi – das sind die Menschen, die den Raum besuchen, organisieren, ästhetisch und inhaltlich gestalten. Es ist Ideenwerkstatt und Kulturtreffpunkt, Raum für künstlerische Auseinandersetzung, Wohnzimmerbar und Bühne. Es ist ein wandelbarer Ort, dessen Bedingungen, Inhalte und Grenzen immer wieder neu ausgehandelt werden.