2013_09_27 LB Brezna

LESEBÜHNE

Freitag, 27. September 2013 | 21 Uhr

Ich fang nochmal an… | Die Neuköllner Lesebühne

IRENA BREŽNÁ – DIE UNDANKBARE FREMDE

„Wir ließen unser kleines Land im vertrauten Dunkel zurück und näherten uns der leuchtenden Fremde“.
1968 beginnt Irena Brežnás schmaler aber hochkonzentrierter Roman, der auf engstem Raum Verletzung und Befreiung, Aufbegehren und wildes Um-Sich-Schlagen, Poesie und Versöhnung vorführt, dazu eine ganze Galerie hochdramatischer Lebensläufe und Charaktere. Dies alles in einer Sprache, in deren Poesie sich harte Fakten knirschend einschieben wie Eisenstangen in ein Getriebe.
Die Erzählerin verschlägt es in ein reiches Land, das ihr vorkommt wie ein sicherer Hafen von bizarrer Saturiertheit, Sauberkeit und Ordnung, ein von Zäunen verstelltes Paradies voller Ordnungshüter und Kehrmaschinen – zu viel Starre für ein heranwachsendes Mädchen. Schon bei der Einreise wird ihr Name vom Grenzbeamten verstümmelt, er passt nicht recht ins Schweizer System. Ein halbes Leben segelt sie gezwungenermaßen unter falscher Flagge und vermisst im kalten, gleißenden Licht der Fremde die unfreie, schmuddelige Geborgenheit der Heimat.

Irena Brežná, geboren 1950 in der Tschechoslowakei, emigrierte 1968 in die Schweiz. Journalistin, Schriftstellerin, Slawistin, Psychologin, Menschenrechtlerin. Nach „Schuppenhaut“ 2008 und dem autobiographisch gefärbten Roman „Die beste aller Welten“ 2010 ist „Die undankbare Fremde“ ihr dritter Roman. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u.a. den EMMA-Journalistinnenpreis und den Theodor-Wolff-Preis für ihre Kriegsreportagen aus Tschetschenien. Für „Die undankbare Fremde“, erschienen bei Galiani, wurde Irena Brežná 2012 mit dem Eidgenössischen Literaturpreis ausgezeichnet.

Mit freundlicher Unterstützung von Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung

Eintritt frei

Bar geöffnet ab 20 Uhr | Lesung ab 21 Uhr


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