Alexandra Kollontai

Auf Alexandra Kollontai stieß ich das erste Mal in einer Folge des Podcasts ,,Darf Sie das?’’ von Nicole Schöndorfer, die sich um das neue Buch von Kristen Ghodsee drehte: ,,Why Women have better Sex under socialism’’. Die im Buch angeführte russische Politikerin und Schriftstellerin Alexandra Kollontai argumentierte schon 1919 für das freie Recht auf Abtreibung, Entkriminalisierung der Scheidung, gleicher Bezahlung von Männern und Frauen und ist wie alle Frauen, die wir in dieser Kategorie ,,WomenWednesday’’ behandeln wollen zu Unrecht vergessen.

Aleksandra Michajlovna Kollontaj wurde 1872 in Sankt Petersburg als Tochter einer gut gestellten Familie geboren. In ihrer Schulzeit wurde sie sozialisitisch aktiv, verließ später ihre Heimat mitsamt Mann und Kind, um sich der sozialistischen Sache zu widmen und studierte in der Schweiz Sozial- und Wirtschaftswissenschaften. Wegen ihrer politischen Arbeit und Einsatz für die Gleichberechtigung der Frau drohte ihr die Verfolgung und sie reiste ins Exil nach Deutschland, Skandinavien und schließlich den USA, bis sie zu Beginn der Novemberrevolution wieder nach Russland zurückkehren konnte. 

Nach Jahren der politischen Agitation und journalistischer Arbeit begründete sie 1919 das Zhenodtel, das Frauenministerium der Sowjets, um die vollständige Emanzipation der Frau zu erreichen und wurde die erste weibliche Ministerin der Welt. In den Folgejahren erkämpfte sie die straffreie Abtreibung, eine Lockerung der Eheregeln und setze sich für Volksküchen und kostenlose Kindererziehung ein. Total modern für Ihre Zeit? Ja, aber Alexandra Kollontai tat dies nie für den rein feministischen Kampf – sie lehnte Feministinnen als bourgeois ab – sondern weil diese Maßnahmen für sie absolut logisch auf dem Weg zu einem sozialistischem Staat waren.

In dem Podcast der Autorin Kristen Ghodsee ,,AK 47’’ (47 Textbeispiele von Alexandra Kollontai) sind auch Tonaufnahmen zu finden, die über ihre Texte hinaus, mitreißend verständlich machen wie sehr die Befreiung der Frau und die Befreiung der Klassen für AK Hand in Hand gingen. 1923 wurde sie als Sowjetische Botschafterin nach Norwegen gesandt und war als erste russische Frau in so einer hohen diplomatischen Position.

Dieses feministische Utopia  wurde leider unter Stalins Machtergreifung mit Füßen getreten und unter patriarchalischen Dreck begraben, ihre Reformen wurden teilweise rückgängig gemacht, ihr Einfluss schwand zunehmend. 

So zum Verzweifeln das auch ist, es lohnt sich Alexandra Kollontai zu lesen. Es lohnt sich für unsere kleinen  sozialistischen Herzen, für eine politische sowie ökonomische feministische Argumentation, die uns heute schon modern erscheint und die klar macht, dass die Befreiung der Klassen und die Befreiung der Frau ein und derselbe Kampf sind.

von Clara Westendorff