Benedetta Cappa Marinetti

Benedetta Cappa Marinetti (1897-1977) war eine der wichtigsten Künstler*innen des Futurismus. Während ihrer Ausbildung als Lehrerin lernte sie über ihre Brüder die erfolgreiche Künstlerin Rougena Zatkova kennen. Zatkova, die sich seit 1915 erfolgreich bei den Futuristen aktiv war fungierte als eine Art Rollenbild für Cappa. Diese wandte sich nach dem Ersten Weltkrieg komplett der Malerei zu und lernte in der Kunstschule von Giacomo Balla. Hier lernte sie 1918 Filippo Tommaso Marinetti (1876-1944) kennen, den sie 1923 heiratete. Der von Marinetti begründete Futurismus basierte auf der Idealisierung von Geschwindigkeit und Dynamik sowie der Ablehnung der Vergangenheit, er begrüßt das moderne Leben, Stadt und Transportmittel. Der Futurismus war aber auch eine ,,maskuline’’ Bewegung und stand dem italienischen Faschismus nahe. Durch die romantische Beziehung Marinettis zu Benedetta Cappa, begann die zweite Phase des Futurismus, die die Bildmotive der Moderne in ein gefühlvolles Licht setzte. Benedetta Cappa wollte nicht nur die Moderne feiern sondern die Natur und Technik als Synthese und wollte so eine neue Form von ,,femininer’’ Spiritualität im Futurismus finden.

Trotz der frauenfeindlichen Ausrichtung des Futurismus gehörte Cappa zum inneren Kern der Bewegung, auch über ihre Partnerschaft mit Marinetti hinaus. Sie versuchte krampfhaft die misogynen Schriften ihres Mannes umzudeuten und bezog sie nur auf einen bestimmten Typ der ,,pessimistischen, überromantischen, maskulinen Frau’’ Mann und Frau seien gleichwertig, sollten sich aber vereinen und mit ihrer Union Liebe erschaffen.

Ihre höchst kritische faschistische Einstellung tat auch ihrem Mann nicht gut. Er zog auf ihr Bestreben in den Krieg und starb 1944. Nach dem Tod ihres Mannes kehrte sie, ganz das patriarchalische Bild, in den privaten Raum zurück, beendete ihre Arbeit und kümmerte sich um das Andenken ihres Mannes.

Gar nicht mehr so futuristisch.

CONATY, Siobhan, Benedetta Cappa Marinetti and the Second Phase of Futurism, in: Women’s Art Journal, Vol. 30, Nr. 1, 2009, S. 19-28.
FRIGERI, Flavia, Frauen in der Kunst, London 2019.