Charlotte Beradt

,,Ich werde mich in Blei verstecken. Zunge ist schon Blei, Blei festgeschlossen. Angst wird vergehen, wenn ich ganz aus Blei bin.’'

Diese Zeilen stammen aus dem von der Schriftstellerin und Journalistin Charlotte Beradt (geb. Aron, 1907-1986) publizierten Werk ,,Das Dritte Reich des Traums’’ und spiegeln ein alles beherrschendes Gefühl der Angst unter dem totalitären Naziregime wieder. 

Charlotte Beradt positionierte sich stets antifaschistisch und trat in den 1920er Jahren in die KPD ein. Sie arbeitete als Journalistin und freie Mitarbeiterin bei verschiedenen Zeitschriften und ab 1930 bei Ossietzkys Weltbühne. Als Jüdin durfte sie ab 1933 nicht mehr arbeiten und begann die Träume der Menschen um sie herum zu sammeln. 1938 heiratete sie ihren zweiten Mann Martin Beradt mit dem sie ein Jahr später über London nach New York emigrierte. Um sich selbst und ihren zunehmend erblindeten Mann bis zu seinem Tod 1949 zu finanzieren eröffnete sie 1940 zunächst in ihrer Wohnung einen Friseursalon, der für viele deutsche Exilantinnen über 20 Jahre hinweg ein fester Treffpunkt wurde. Über ihre KPD-Zeit war sie noch mit Heinrich Blücher befreundet, dem Mann von Hannah Arendt, die sich ebenfalls in den USA im Exil befand. Zwischen den dreien entstand eine enge Freundschaft. Beradt übersetzte viele von Arendts Texten und begann auch wieder als freie Journalistin für deutsche Tageszeitungen zu schreiben. Aus ihrer regelmäßigen Mitarbeit beim Westdeutschen Rundfunk, entstand eine Sendung zu den gesammelten Träumen, die 1966 als Buch ,,Das Dritte Reich des Traums’’ erschienen. Die im Buch aufgeschriebenen Träume stammen von Menschen jeglicher Gesellschaftsschicht und Herkunft. Sie handeln von der Furcht der Menschen unter der totalitären Herrschaft, der Angst etwas Falsches zu sagen oder etwas Falsches zu denken; dem Wunsch zur Gesellschaft zu gehören und der Angst vor dem Identitätsverlust.

Charlotte Beradt publizierte bis zu ihrem Tod und schrieb viel zu politischen Themen wie der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Sie schaffte es als Antifaschistin und Frau in den 1920er Jahren als Journalistin erfolgreich zu sein und dem Leben unter einem totalitären Regime zu entfliehen, der auch den Verlust ihrer Heimat bedeutete; ihr Leben neu in einem fremden Land aufzubauen, für sich und ihren Mann zu sorgen und darüber hinaus ein Stück Heimat für die vielen Exilantinnen am Leben zu halten.

LITERATUR: 

Kreis, Gabriele: Frauen im Exil. Dichtung und Wirklichkeit. Darmstadt 1988.

Wall, Renate: Verbrannt. verboten. Vergessen. Kleines Lexikon deutschsprachiger Schriftstellerinnen 1933-1945. Köln 1988.

Nordmann, Ingeborg / Ludz, Ursula (Hg.): Hannah Arendt. Wie ich einmal ohne dich leben soll, mag ich mir nicht vorstellen. München 2017.

Beradt, Charlotte: Das Dritte Reich des Traums, 1966.