Die Kotze tropft vom Bernsteinschloss

Ich suche meinen,
  unseren Frieden.

Jedes Mal, wenn die Ruhe 
an einer Stelle einkehrt;
Brauche ich nur einen Schritt,
eine Drehung, eine halbe…
– Ja manchmal bedarf 
es nur ein Zwinkern;
Um daran zu erinnern, 
dass Gewalt und Angst
Immer ist. Nichts ist, 
was ich ausblenden kann.

Wenn ich mich
tief in meine Decke kuschle,
lausche, wie der Wind die Blätter aufscheucht
gestärkt von meiner liebsten Sorte Kräutertee. Brennnessel.

Da habe ich eine Form von Frieden
Mein Geist ruht, sicheres Signal, friedlich Ich.
Dann, steht die Zeit still,
ich atme, ich bin;
Ich habe alles.
Und doch, bin ich nicht froh.

Weil dieses nur für mich persönlich ist, das reicht mir nicht!


Während ich in meiner 
Deckenhöhle liegend, 
seelig in Gedanken spinne
in frischer Wäsche Düfte finde. Rosenduft.

Wünscht sich woanders eine junge Frau
bloß eine Decke
um im Schlaf nicht zu erfrieren;
Sehnt sich woanders 
eine Familie,
bloß nach einer Höhle um ihre Lieben
Leben vor Schüssen
in der Luft zu schützen;
Wünscht sich der Mann 
im Zimmer nebenan,
bloß mal wieder klares denken
ohne diesen Wahnsinn im Gehirn
Einst auf ewig 
zum Patienten verdammt.

Also ich habe all das, aber sträube mich
Ist das nicht wirklich lächerlich?
Bin ich undankbar,
Wem danke ich?
(…)
Nein, ich bin sehr dankbar 
Aber Frieden, global als Begriff
Fühle ich nicht.
Werde ich nicht anerkennen
Solange mein Überfluss
Ja mein Besitz der
-macht 
Das Woanders nur 
ein Tropfen 
Übrig ist.

Ich finde das zum Kotzen,
Verstehe unsere Weltanschauung nicht,
denn die ist so perfekt verstrickt.
Hier findest du eine Sprache
Die nur versteht 
wer Sie schon spricht.
Doch, Definition von Sprache 
Wiederspricht!
Statt euch zu vernetzen,
soll eure Sprache Grenzen ziehen
Sie sagt 
Erst wenn du nickend 
Folgen kannst.
Klingt deine Stimme 
mit Bedeutung.

So Stehen auf
dem höchsten Bernsteinturm der Erde
nur Sprecher dieser Sprache.
Fließen unendlich edle Tropfen
im Überfluss nur in
die immer Gleichen, gleichgesinnten Kehlen.


Stehst du oben auf dem Turm?
Wer einmal oben ist,
Der wird gewarnt 
vorm Blick nach Unten;
denn wie im Biss 
vom echten Apfel
säuern deine Filterfilme weg, 
verätzt deine Ansicht
du kotzt auf die Aussicht
Einsicht.

Du kotzt aus eurem Bernsteinschloss
Als du Erkennst
Wie hinter eurer Grenze
Die Menschen nicht auf Schlössern,
Ihren Wohlstand leben.
Nicht im Edelstein 
ihr Erbe sehen.

Das siehst du Alles
Und du kotzt, immer noch.
Weil dieses  edle Bernsteinbündnis
Nichtig ist
Im strömend, schrecklich, schönem Leben.

Ein Text von Nora Lodtka.