Die Nacht der unerhörten Lieder Samstag, 7.4.2018 20 Uhr

Neue Texte von Ines Berwing, Saskia Warzecha, Nora Linnemann, Elke Cremer und Caca Savic.

Ines Berwing: oder im abwasser schwimmen (gedichte)

Ines Berwings Gedichte entwickeln vielfach Alltagszenerien, die sie neu buchstabieren wollen. „ich kann den weg nicht finden zum haus. meine eltern schlafen im himmelbett, ziehen an einer langen dünnen schnur, wenn sie wachsen“. Alltägliches fällt auf und gewinnt unerwartet neuen Sinn. „mutter sagt, in der Alufolie steckt eine stille, die man braucht“. Das „stille verkabeln“ neuer bedeutungsfelder aber ist nichts Beliebiges, sondern setzt eine unbändige Energie, unerhörte Freiheit frei. „wenn ich die wunschklammer mit der steckdose verbinde/ lärmt es brutal laut in verschiedenene leuten// man muss sich das vorstellen.“

Ines Berwing wurde 1984 in Bad Nauheim geboren.
Sie studierte deutsche und englische Literaturwissenschaften, danach Drehbuch an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Ihre Kurzfilme liefen auf zahlreichen internationalen Festivals und gewannen Preise. Der Langfilm Bube Stur, zu dem sie das Drehbuch gemeinsam mit Moritz Krämer verfasste, feierte seine Premiere auf der Berlinale 2015 in der Reihe Perspektive Deutsches Kino. Neben Drehbüchern schreibt sie auch Lyrik, die in Zeitschriften (u.a. allmende, STILL, LICHTUNGEN & JENNY) und im Jahrbuch der Lyrik 2015 veröffentlicht wurden. 2010 gewann sie den Paula Rombach-Literaturpreis für Lyrik, 2015 war sie Stadtschreiberin der BELLA triste.

Nora Linnemann: Bombensommer (Prosa)

An den letzten warmen Tagen des Jahres erklingt in diesem Kiez das wilde Lied von Renate und Djean. Können Sie es hören?

Nora Linnemann, geboren 1981 in Braunschweig, studierte zunächst Schauspiel in Berlin, dann Schreiben in Hildesheim und Leipzig. Sie hat in Zeitschriften und Anthologien veröffentlicht und war Finalistin des 22. open mike.

Saskia Warzecha: gefährdete verstärker (Gedichte)
Saskia Warzechas Gedichte lassen sich als sensible Wahrnehmungsmodelle begreifen. Obgleich im strengen Blocksatz komponiert, verströmen sie Unruhe, eine vibrierende Weltwahrnehmung. „näher ich mich meinen gegenständen unruhig an/ brauch: solche, die sich biegen, nie zur neige gehen.“ Der zum Teil hohe Abstraktionsgrad ihrer Gedichte und der verstörende Assoziationsreichtum fordern den Leser ungeheuer heraus, die Gedichte zerfließen aber nicht im Beliebigen, sondern enthalten die Aufforderung, den Sinnkosmos der verschwiegenen „blackboxes“ aktiv mitzugestalten. „was hält mein gestaltungswille dir gegenüber bereit, außer nuancierter erzeugungen, einer aufforderung? außer der Ambiguität von Einheit, ich habe immer genau das gemeint, was hier kapituliert“ Die Gedichte haben alles Sentimentale und bloß Private abgestreift und gleichen gläsernen Prismen, in die das Licht von überallher fallen kann. Wo das Gedicht seine Selbstkapitulationon betreibt, ist die Energie auf das angesprochene Du übergegangen. Saskia Warzechas Lyrik ist die vielleicht stärkste Herausforderung in der jungen zeitgenössischen Lyrikszene.
Saskia Warzecha studierte Computerlinguistik in Potsdam, Sprachkunst an der Universität für Angewandte Kunst Wien und Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig.
Ihre Lyrik wurde u. a. in der Edit, der Bella Triste, im poet, den Sachen mit Woertern, der Epilog und in den Jahrbüchern der Lyrik 2017 sowie 2018 veröffentlicht. Sie war Finalistin beim 24. open mike und gewann 2017 den Münchner Lyrikpreis.
Sie gab außerdem die Lyrikanthologie „Ansicht der leuchtenden Wurzeln von unten“ (poetenladen) und die „Tippgemeinschaft 2016“ (Connewitzer Verlagsbuchhandlung) mit heraus, leitet die Lyrikredaktion beim STILL Magazine und arbeitet als Computerlinguistin im Bereich Spracharchitektur in Berlin.

Caca Savic: gestern und heute (gedichte)

Caca Savics Lyrik spannt eigene Räume aus, die wiederum mit anderen sprachlichen Räumen in Kommunikation treten. Sie fordern die Wahrnehmung heraus, sammeln „zersplitterte Standpunkte“, die „im Unendlichen zu Vielen werden“. Caca Savics Lyrik geht “kopfüber“ und formt aus Klangverlust neue Klang-und Sinnkörper. Es ist ein Spiel mit der Grammatik, Perspektivenwechsel werden bewusst eingesetzt als Brüche. Damit wird das Unerwartete erzeugt. Das weiße Blatt ist die größte Freude und Aufregung, weil es in eine neue Umgebung versetzt, in das neu Erfundene.

Caca Savic wurde in der Nähe von Wien geboren. Sie studierte Architektur und später Kunst- und Kultursoziologie. 2005 zog sie nach Berlin, wo sie als Lyrikerin und Ausstellungskuratorin lebt und arbeitet. Veröffentlichungen u. a. in: prolog, wortwerk, Texte zur welt, Herzattacke, Sachen mit Wörtern. 2009 arbeitsstipendium Museum am Bussen, Baden Württemberg. 2010 Aufenthaltsstipendium in der Gallery Ray Hughes, syndney, australien. 2017 Kunstpreis Aufenthaltsstipendium des europäischen Frauenforums und Kultur e.V. Baden Württemberg.

Elke Cremer: Linien aus Bienen (Gedichte)

Elke Cremers Lyrik durchstreift verlassene Industriegebiete, urbane Landschaften, „eingezäunte restmilieus“. Erinnerungsräume tun sich auf „im grünspan der geschichten“, überformt von medialen Loops, „geflickte zunge, nächster track“. Zugleich schimmert in diesen Streifzügen Widerständiges auf. Bäume werden gekapert, Worte in den Straßenverkehr eingefädelt wie „linien aus bienen“ und Orte entworfen, wo wir „den mond im kopf im mond verloren in blassen astgabeln schaukeln“. Sprachliche Felder und Zeiträume blenden sich ineinander, eine behutsame Archäologie.

Elke Cremer, geboren in Ludwigshafen, studierte Literatur, Musikwissenschaft und Italienisch. Sie schreibt Lyrik und Prosa und lebt als freie Autorin in Berlin. Literatur-Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg, Lyrikförderpreis der GEDOK Heidelberg, Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien , z. B. Allmende, Versnetze, Lyrikheft „Linien aus Bienen“ (reihe erLesen der Kunststiftung Baden-Württemberg). Hörfilme u.a. für die Berlinale, ZDF, 3sat. 2017: Deutscher Hörfilmpreis

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An:

Matthias W.



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