Interview_Erik Anton Reinhardt & Maxim Tur

Vergangenes Wochenende stellten Erik Anton Reinhardt und Maxim Tur ihre Arbeit 0 km/h – a postfuturistic sculpture im ORi aus. Das Werk – ein demoliertes Motorrad – beschäftigt sich kritisch mit der Beschleunigung und dem technischen Fortschritt der Moderne. Es zitiert theoretisch die Symbolik der italienischen Futuristen, kehrt sie um und präsentiert eine absurde Metapher für den Beschleunigungszwang unserer Zeit.

Inwiefern hat euch der Künstler Marinetti im Findungsprozess eures Werkes beeinflusst?
Marinetti, so wie der Futurismus selbst, waren kein direkter Einfluss auf das Werk. Es kam viel mehr über Texte, die wir gelesen haben, über Postfuturismus und die Ästhetik der postfuturistischen, also modernen Kunst. Darüber hat sich dann auch erschlossen, dass eine Erklärung zu Marinetti und seiner Maxime nötig ist, um auch unser Werk zu erklären. Aber auch besonders, um so klar zu stellen, dass wir diese Werte negieren und uns auch von der Ästhetik distanzieren. Wir denken aufgrund der Nähe vom Futurismus zum italienischen Faschismus sollte man sich auch nur kritisch mit diesem befassen.

Was würdet ihr euch für eine entschleunigte Zukunft nach postfuturistischer Manier wünschen?
Wir können jetzt keine konkreten Wünsche äußern; natürlich gibt es viele Aspekte, in denen eine Änderung nötig ist, aber eben auch zu viele, um sich da festzulegen. Wir drücken auch keine Konkrete Forderung aus, sondern eher eine pessimistische Haltung zur derzeitigen Lage und ein Aufzeigen dessen, was uns als Menschen dahin gebracht hat. Es gibt da einen passenden Begriff von Julia Kristeva, „Abjekte Zeiten“. Das sind Zeiten der empfundenen Gefahr und der Bedrohung, also dass wir als Gesellschaft Angst davor haben, dass die Zukunft schlechtes bringt, genau das Gegenteil von Marinetti also, der ja überzeugt war, alles richtig zu machen. Besonders in der Art, wie wir unsere Ausstellung installiert haben, ist es nah an dem Gefühl, das wir vermitteln wollten.

Würdet ihr technischen Fortschritt generell eher kritisch sehen?
Natürlich kritisch, aber nicht partout schlecht. Es kann ja auch technischer Fortschritt sein, der entschleunigt, der nachhaltig ist, der ökologisch ist. Also er kann der Natur eben auch etwas gutes tun. Wir vertreten auf jeden Fall keine esoterische „der Mensch muss Zurück zur Natur finden“ Haltung.