Interviews

Totentanz in der Metropole – Patricia Hempel im Gespräch über ihren Roman ‚Metrofolklore‘

Gespräch im Anschluss an ihre Lesung im ORi am 20. Oktober 2017

 

ORi: Liebe Patricia, es wird derzeit viel über Literaturinstitute und gerade auch das in Hildesheim gesprochen. Du bist auch Hildesheimer Studentin. Kannst Du etwas zur Entstehung Deines Buchs sagen? Ist es Deine Abschlussarbeit gewesen?

P.H.: Es ist komisch so viel über Hildesheim zu lesen, vor allem, wenn man selbst nicht mehr da ist. Die Anfangsphase des Romans war eng mit Hildesheim verbunden, ja. Katrin Zimmermann hat mich bei der Entstehung begleitet und gab mir die richtigen Anstöße, später dann auch Hanns-Josef Ortheil. Trotzdem ist der eigentliche Schliff erst in Zusammenarbeit mit meiner Lektorin Corinna Kroker für Tropen entstanden, die das Projekt und das Konzept dahinter nicht nur verstanden hat, sondern mir auch die Dringlichkeit vermittelte, das Buch so und nicht anders zu schreiben. Insgesamt habe ich, mit ziemlich langen Schreibpausen und -krisen dazwischen, etwa drei Jahre an dem Stoff gearbeitet. Und eigentlich sollte es meine Abschlussarbeit werden.

ORi: Das Buch beschreibt die Liebesirrungen und -wirrungen einer jungen Studentin in der Metropole Berlin. Worum geht es Dir eigentlich in dem Buch?

P.H.: Es ging mir immer um etwas anderes oder besser: Es kam immer mehr dazu, das ich unbedingt ansprechen wollte. Bei einem so “langsamen” Medium wie etwa ein Roman, ist es gar nicht so leicht einen modernen und aktuellen Zeitbezug aufrechtzuerhalten und sicher zu stellen, dass der Text in zwei Jahren nicht ganz veraltet rüberkommt. Da wäre eine Kolumne oder eine kürzere Form etwas dankbarer. Das Buch ist also inzwischen so einiges: Eine Milieustudie, ein Bericht, ein Abschied, ein 200 Seiten langer Liebesbrief und somit auch ein Spiel mit Metaebenen. Die Leiden des jungen Werther in lesbisch und dann auch noch eine Hommage (oder Persiflage) an den Poproman in der Camouflage antiker Odyssee. Der Text hängt irgendwie zwischen den Stühlen, zwischen Autobiographischem und dreister Fantasie – vielleicht ist es einfach nur eine Posse. Außerdem: Mit Ende 20 gehört man doch an Unis eher zu den Langzeitstudenten. weiterlesen

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