Maruan Paschen, Weihnachten 16. Dez. 20 Uhr

 

Es ist nicht zu leugnen: die Gewalt wächst in unserer Gesellschaft. Es wird beleidigt, geprügelt, auf offener Straße Gewalt ausgetragen. Es scheint keine friedvolle Gesellschaft, die 2018 Weihnachten feiern will. Wie spiegelt das unsere Literatur? Wir haben vier Autoren eingeladen, in deren Texten unterschwellig oder direkt Gewalt thematisch wird, die körperliche, die seelische, Gewalt in der Geschichte, durch die Natur, in den Familien.

Lesung und Gespräch mit den Autoren.

Maruan Paschen: Weihnachten

Maruan Paschens erfolgreicher Roman „Weihnachten“ zelebriert den schönste deutsche Familienfest, bei den Paschens wird Fondue gegessen, werden Geschichten erzählt. Der Erzähler in Maruan Paschens rasantem tragikomischen Familienroman berichtet einem Therapeuten vom letzten Weihnachtsfest mit seiner Familie: seine alleinerziehende Mutter und ihre Brüder. Es geht um eine Liebesbeziehung im Kaufhaus, den kranken Onkel Art, der einen Weihnachtsbaum samt Auto klaut, Onkel Tarzan, der Araber hasst und von seiner Familie verlassen wurde, und Onkel Berti, der beim Versuch, das Weihnachtskonzert zu dirigieren, den Fonduetopf umwirft.Und und und. Doch bald schon mischt sich Skurriles unter, die Familie sitzt mit Handschellen am Tisch, der Tod wird allen angekündigt. Aus dem Fest der Liebe wird ein Fest der Tragödien, der Einsamkeit und der Selbstmorde. Voll abgründigem Witz erzählt Paschen, immer mehr erfährt man vom Leben des Erzählers und seiner Familie. In Erinnerungen an frühere Weihnachtsfeste und die Familiengeschichte tritt die Vergangenheit wieder hervor. Alte Kränkungen und dunkle Geheimnisse, die über Generationen weitergegeben werden und das Leben schleichend vergiften, kommen ans Tageslicht. Aber wer tötete wen? Und wer war der Therapeut?

»Kein reiner humoristischer Roman, sondern ein kluger Text mit aberwitzigen Ideen und Formulierungen. Ein Buch, das unterhält und unglaublichen Spaß macht.«
– Hauke Harder, Leseschatz

»Diese Familiengeschichte, in ihrer ganzen Zersplittertheit und ihren verwirrenden Konstellationen, ist vielleicht die ehrlichste, die seit langem geschrieben wurde.«
– Fabian, Thomas, The Daily Frown

»Maruan Paschen gelingt mit „Weihnachten“ ein absonderlich-absurdes Kammerspiel; der Roman erzählt von einem Familientreffen, nach dem nichts mehr so ist, wie es einmal war.«
– Bernd Schuchter, Buchkultur

»Paschens Erzählungen strotzen nur so von Skurrilität und Metaphern und bieten dem Leser ein intelligentes Sammelsurium an Familiengeschichten, bei dem man nicht anders kann, als an eigene Familienfeste zu denken.«
– Christian Straub, ekz-bibliotheksservice

»Absurd, rasant, zum Heulen und Lachen schön.«
– Öko Testmagazin

»Im besten Sinne skurril, neurotisch und absurd!«
– Martin Hoffmeister, Rotary Magazine

Andreas Altmann, Weg zwischen wechselnden Feldern (Poetenladen, 2018)

Andreas Altmanns Gedichten wird magische Schönheit und Einfachheit nachgesagt. Der neue Gedichtband zeigt jedoch einen Lyriker, der ungekannte Wort- und Sinnfelder auslotet. Er erkundet Naturlandschaften, im Bild eines Weges werden Felder, Böden, Erden, Terrains poetisch belebt, in die zunehmend jedoch Fantastisches einfällt, Geister von Toten, Engel, lebendig gewordene jüngste deutsche Geschichte, die Geschichte auch der eigenen Kindheit. Viel Trauer ist in den Gedichten gegenwärtig, Kälte, Gewalt. Der Gedichtband beginnt stakkatohaft mit „Wortfeldern“: „hunde, ein engel, gestutzte bäume, gesprungener asphalt, risse an den frosträndern des fleisches. metallklänge im gehwind, kopfreiter, gewehrläufe, knackende haut, laute, streusandteppiche, augenwasser, schwimmende straße. gesichtsverluste. tränenfugen. maria kranichtänze, zaunfelder. helle klopfgeräusche. stimmen. fäden aus zwischenräumen. strickmuster gedächtnis. ein weißer handschuh im schnee.“ Dann schwingt Altmann sich immer wieder auf die Schönheit seiner Sprache ein, in der alles aufgehoben scheint: „ein grüner wind hat seinen schlaf über das land gespannt. träume wildern in der wirklichkeit.“

„Die Partitur aus übereinander angeordneten Geräuschen und Farben ermöglicht Nachempfinden bis hin zu synästhetischen Wahrnehmungen… Der Leser befindet sich in einem eindringlichen Spannungsfeld von Realität und Fantasie, logischen und unlogischen Ereignissen, Tod und Lebendigkeit… Indem sich Erzähltes und Erinnertes verbindet, öffnen sich Räume voller feiner Melancholie.“ literaturkritik.de

Andreas Altmann wurde 1963 geboren in Hainichen (Sachsen), zahlreiche Veröffentlichungen in Anthologien, Zeitschriften. sein lyrisches Werk erscheint im „Poetenladen“ Das zweite Meer 2010, es gibt eine andere Welt (hg. mit A. Helbig), Art der Betrachtung, 2012, die lichten Lieder der Bäume liegen im Gras und scheinen nur so, 2014.

Jan Skudlarek, * 1986, früher vor allem Lyrik (u.a. Elektrosmog bei luxbooks, – du hast Lippen wie Mozart, Sukultur). Promotion zu einem sozialphilosophischen Thema, nämlich der Ontologie von Gruppenabsichten (können gruppen absichten haben oder nur individuen?). jetzt vor allem populärwissenschaftliche Sachbücher zu gesellschaftlichen Themen. der Aufstieg des Mittelfingers beschäftigt sich teils im Ton scherzhaft, doch im Thema ernst mit (den Grenzen) der Meinungsfreiheit und des Sagbaren, mit Macht und Hass, sprachlicher Gewalt im Internet und Offline, mit Hetze, Politik, Menschenbild. politische Korrektheit wird als soziale Achtsamkeit gedeutet, Beleidigung oft als Machtanspruch, als akt des Raumgreifens. als Grenzüberschreitung, die es zu analysieren lohnt.

Im März 2019 erscheint ein weiteres Sachbuch; diesmal bei Reclam unter dem Titel: die ganze Wahrheit und andere Lügen. wie wir erkennen, was echt und wirklich ist.
Das neue Buch beschäftigt sich mit Fragen der wahren Wirklichkeitsbeschreibung und mit Verschwörungstheorien.

Houssam Hamade „Sich Prügeln. 18 Geschichten aus dem Leben“ (2018)
Es scheinen rohe Erzählungen, die Houssam Hamade in seinem Band „Sich prügeln. 18 Geschichten aus dem Leben.“ versammelt. Roh deswegen, weil Hamade den Stimmen der Gewalt einen Raum verschafft, in dem sie brüllen, abwägen, pointieren können – so, wie es ihnen gefällt. An keiner Stelle wird verherrlicht, immer wird nach Gründen gesucht: was macht diese Prügelei zu einer notwendigen? Hätte die Situation auch anders gelöst werden können? Es spricht für Hamades Schreibkunst, dass es keiner Exposition bedarf, keines exhaustiv erläuterten Settings, damit wir uns zurechtfinden im Spannungsverhältnis von Körperlichkeit und Sprache, am Puls dieses immer wieder neu vermessenen Narrativs aus gewonnener und verlorene Würde, aus erlittenem und zugefügtem Schmerz.

Houssam Hamade studierte an der Humboldt Uni Sozialwissenschaften. Er schreibt für verschiedene Zeitungen, unter anderem die Zeit, Taz und Cicero. während des Studiums gründete er gemeinsam mit anderen einen profitlosen Tanzklub in Kreuzberg. Er arbeitete außerdem lange als Türsteher und nahm an Kickboxwettkämpfen teil. „Sich Prügeln“ ist sein erstes Buch. Es ist geplant als erster Band der Reihe „Geschichten aus dem Leben“. Darin schildern Erzähler Grenzsituationen, die sie erlebt haben, und wie sie damit umgehen

Matthias W.