Metrofolklore, Freitag 20. Oktober 2017 20 Uhr

Junge Romane aus Berlin.

Zur Begrüßung gibt es eigens kreierte Archäococktails.

Patricia Hempel: Metrofolklore

Eine lesbische Archäologiestudentin hat es in Sachen Partnerwahl nicht leicht. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel, und die wahre Königin begegnet in der Uni zwischen exhumierten Gebeinen und verstaubten Büchern. Das Objekt der Begierde heißt Helene und muss um jeden Preis erobert werden, aber Amor belohnt nur die originellsten Strategen. Eine solche Frau, ebenso makellos wie heterosexuell, kann man schließlich nicht einfach von der Seite anquatschen. Patricia Hempels Roman-Debüt schreibt in einer mitreißend emotionalen sarkastischen Sprache von der Liebessehnsucht einer Großstadtnomadin.

Patricia Hempel geboren 1983 in Berlin, studierte erst Ur- und Frühgeschichte, bis es sie von Berlin nach Hildesheim und von der Archäologie zum literarischen Schreiben zog. Es folgten Veröffentlichungen in Zeitschriften, Magazinen und Anthologien und 2014 die Ernennung zur Wolfsburger Stadtschreiberin. Heute arbeitet Patricia Hempel als freie Journalistin und Autorin in Berlin. »Metrofolklore« ist ihr erster Roman.

Manuel Niedermeier: Warteland

Warteland ist eine Erzählung, die zwischen real geschehener Geschichte und der Macht bzw. Ohnmacht der Erinnerung oszilliert: Ein alter Mann blickt auf sein Leben zurück und hat
dabei stets eine Szene vor Augen: er steht in der Mitte eines Anatomietheaters und seziert einen Körper. Das Problem ist nur, dass er nicht weiß, ob er das, was er da sieht, wirklich
einmal getan hat, oder ob es eine Einbildung ist. Es scheint real und traumartig zugleich. Anhand dieser Szene versucht der Mann herauszufinden, wie sein Leben verlaufen ist . In den 1920ern in Estland geboren, verliert er früh seine Familie. Während des 2. Weltkriegs flüchtet er über das Baltikum und Wartheland (ein Reichsgau in Polen) nach Deutschland, zurück in ein Land also, in dem er noch nie zuvor gewesen war …

Manuel Niedermeier, geboren 1984 in Regensburg, hat Germanistik und Allgemeine und Vergleichende Sprachwissenschaften in Regensburg studiert; später Komparatistik in Wien. Im Frühjahr 2014 erschien sein Debütroman „Durch frühen Morgennebel” im Verlag C.H. Beck. Er erhielt verschiedene Preise und Stipendien, zuletzt den Bayrischen Kunstförderpreis für Literatur für ‚Durch frühen Morgennebel, 2014 und das Aufenthaltsstipendium des Berliner Senats am Literarischen Colloquium Berlin 2016. Mit ‚Warteland‘ bereitet er seinen zweiten Roman vor.

Filiz Penzkofer: Betreutes Wohnen e. V. Kollwitzplatz

Rabea, das Mädchen mit Angststörung, zieht aus Versehen eine Alraunenwurzel aus dem Blumentopf und fürchtet nun, verflucht zu sein. Siri, ihre Mitbewohnerin, vermeintliche Zauberin und Urheberin des Unglücks verrät ihr, dass sie den Fluch abwenden kann, wenn sie einen Antichristen dazu bringt, ihr eine Liebeserklärung zu machen. Das hat sie aus mittelalterlichen Büchern. „Wo soll ich denn einen Antichristen?“ herkriegen, wundert sich Rabea und guckt Siri an, die mit ihrem Gruftiumhang und den verdrehten Kreuzen schon ein bisschen so aussieht, wie man sich so einen Antichristen vorstellt. Die aber verweist auf Musti, den syrischen Mitbewohner. „Ein Araber ist ja fast so etwas, wie ein Antichrist“, sagt sie. Rabea versucht im Verlauf der Geschichte, einerseits das Problem mit der Alten in den Griff zu kriegen, und andererseits Mustis Zuneigung zu gewinnen.

Filiz Penzkofers erster Roman hat einen stark sozialpsychologischen Blickwinkel und beleuchtet gestörte Charakere am Rande der Gesellschaft, Figuren, die wie selbstverständlich mit Angstörungen, Sozialphobien und schwarzer Magie leben. Sie hat Germanistik und Journalismus an den Universitäten Bamberg und Ankara studiert. Sie ist ehemalige Stipendiatin der Bayrischen Akademie der Künste. Sie lebt als Freie Journalistin und Autorin in Berlin.

 

Matthias W.



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