Poet’s Corner 2017 Samstag 17. Juni 2017 18.00 Uhr

Dichter erobern die Bezirke: Neukölln

Mit Maroula Blades | Max Czollek | Alexander Filyuta | Göksu Kunak | Florian Voß | Saskia Warzecha
Moderation: Angelo Algieri

 

Marouda Blades (* 1964)
verbindet in Poetry-Performances Text, Stimme, Klang und Bild zu performativen Gesamtkunstwerken, die sie mittlerweile auf zahlreichen internationalen Literaturfestivals aufgeführt hat. Dabei arbeitet sie eng mit Komponisten und Dia-Künstlern zusammen. Ihre erste Sammlung von Gedichten Blood Orange erschien im Erbacce Verlag. Ihr Debüt-Album Word Pulse ist 2013 bei Havavision Record erschienen. Ihre Texte und Performances erhielten u.a. 2012 den erbacce-prize für poetry.
Sie machen den Zusammenhang weit über den Globus verstreuter Orte aus einer gemeinsamen Geschichte von Blut, Gewalt und Tod sinnlich erfahrbar.

Max Czollek (* 1987)
ist einer der wichtigsten Vertreter eines neuen selbstermächtigenden jüdischen Kultur-, Kunst- und Politiknetzwerks in Deutschland, das sich ihren berechtigten gesellschaftlichen Raum abseits der in der Nachkriegszeit bereitgehaltenen sozialen Rollen einfordert. Er ist Mitglied des Lyrikkolektivs G13, promovierte am Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin und war u.a. Initiator und Kurator des internationalen Lyrikprojekts Babelsprech (ab 2016 als Babelsprech.International) sowie 2016 des Desintegrationskongresses zu zeitgenössischen jüdischen Positionen. Darüber hinaus war er Mitherausgeber der Anthologie Lyrik von Jetzt 3. Babelsprech und ist im Herausgeberkollektiv der Zeitschrift Jalta. Positionen zur jüdischen Gegenwart. Bisher erschienen von ihm die Gedichtbände Druckkammern (2012), Jubeljahre (2015) und A.H.A.S.V.E.R. (2016), alle im Verlagshaus Berlin.
Seine Gedichte weisen mit den Mitteln der Mimikry und der Übersteigerung von gruppenspezifischen Sprechweisen und Phrasen auf die machtbezogene, fremdbezeichnende Tiefenstruktur der Sprache hin, transformieren sie durch drastisch-direkte sowie wortspielerische Bilder und erforschen so neue gesellschaftliche Positionen und Ausdrucksmöglichkeiten.

Göksu Kunak aka Gucci Chunk (* 1985)
arbeitet als Herausgeberin des Interviewmagazins mono.kultur sowie als Redakteurin für Ibraaz. Derzeit schreibt sie an einer Doktorarbeit über queere Chronopolitik in Beziehung zur Performance Art und zeitgenössischem Tanz. Ihre Kurzgeschichten und Gedichte sind in verschiedenen Zeitschriften erschienen und werden online publiziert. Für ihre installativen Poetry-Performances arbeitet sie mit zahlreichen Künstler*innen, Musiker*innen und Komponist*innen zusammen, um ein multimediales Gender-Hacking zu erreichen.
Ihre Texte schaffen es, popkulturelle Figuren und Phänomene, identitätstheoretische Fragestellungen sowie szenenhafte Beobachtungen und Dialoge in einem fast elegisch-weitblickenden Ton zu vereinen.

Alexander Filyuta (* 1971)
studierte Deutsche und Russische Philologie in St. Petersburg und in Berlin. Er arbeitet als Lyriker, Übersetzer, Moderator sowie Kurator und ist Mitbegründer des Poesieprojekts Lyrik im ausland, in dessem Rahmen er zahlreiche Lesungen Berliner und internationaler Autor*innen im Veranstaltungsraum ausland in Prenzlauer Berg organisiert und veranstaltet hat. Darüber hinaus hat er mehrere Projekte für das Poesiefestival Berlin kuratiert und ist Mitglied des russischsprachigen Lyrikkollektivs Zapadnapered.

Florian Voß (* 1970)
arbeitet als Bildender Künstler, Autor, Herausgeber, Kurator und Game-Designer beim Spieleentwickler Experimental Game. Nach redaktionellen Tätigkeiten bei lyrikline.org und im Literaturhaus Berlin sowie der Organisation der Poets‘ Corner beim Poesiefestival Berlin, war er vier Jahre lang Lektor und Herausgeber der Reihe Lyrikedition 2000 im allitera Verlag. Von ihm sind der Roman Bitterstoffe (Rotbuch Verlag 2009) sowie die vier Lyrikbände Das Rauschen am Ende des Farbfilms (Lyrikedition 2000 2005), Schattenbildwerfer (Lyrikedition 2000 2007), Datenschaten, Datenströme, Staub (Verlagshaus J. Frank 2011) und In Flip-Flops nach Armageddon (Verlagshaus J. Frank 2013) erschienen. Für seine Gedichte erhielt er u.a. 2001 das Arbeitsstipendium des Berliner Senats und 2007 ein Aufenthaltsstipendium im Künstlerdorf Schöppingen.
Sie führen völlig ohne kulturpessimistischen Gestus die Überblendung von Medialität und Wahrnehmung vor Augen, integrieren technologisches Vokabular und Begriffe aus der digitalen Sphäre auf eine selbstverständliche und spielerische Art in eine existentielle Ebene. So entsteht eine Sprache, die die Hartkanten des Futurismus mit den weichen Zügen der Romantik in Verbindung setzt.

Saskia Warzecha (* 1987)
studierte Computerlinguistik in Potsdam, anschließend Sprachkunst an der Universität für angewandte Kunst Wien und bis 2016 Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Sie veröffentlichte bisher in Anthologien und Literaturzeitschriften, zuletzt Edit 71 und im Jahrbuch der Lyrik 2017. Sie ist Gründungsmitglied des Lyrikkollektivs GID, war 2016 Finalistin beim 24. open mike und gab die Tippgemeinschaft 2016 sowie 2017 im poetenladen-Verlag die Lyrikanthologie Ansicht der leuchtenden Wurzeln von unten mit heraus. Sie arbeitet als Computerlinguistin im Bereich Spracharchitektur/Roboterjournalismus in Berlin.
Ihre Gedichte versuchen aus dem rhythmischen Wechsel von mechanisch generiert wirkender Dichte und beinahe sentenzenhaft-aphoristischer Fläche in die Bedingungen und die Beziehung von Sprache und Emotion einzudringen. Dabei werden die lautlichen, gefühlsgerichteten und die semantisch-kognitiven Aspekte der Sprache so zu einer Synthese gebracht, dass die Schwierigkeiten menschlicher Kommunikation unmittelbar spürbar werden.

 

Matthias W.



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