STEPPENLANDSCHAFTEN, LÖWENMÄULCHEN UND MUSCHELAUGEN

Vier LyrikerInnen stellen neue Texte vor

Lara Rüter

Muschelaugen, Theorien übers Einschlafen, über Fallwild, Gedanken über das, was schwimmt, Love-Poems, Lara Rüters Gedichte sind farbig, schwebend, suchen Wurzelhaftes, sind vielseitig, sie scheuen die provokante Nähe zu Trash und Kitsch nicht, aber man merkt schnell, die Autorin schreckt vor dem Trivialen zurück. „brauchst keine angst haben, wenn nachts der dschungel brennt, er brennt nur einmal, bis er staub ist, und dann kannst du auf den himmel sehen. satelliten streifen deine iris, tasten auf schwachstellen ab, ziehen dich am haar in die wolken.“

Lara Rüter, geboren in Hannover. Studierte Kulturwissenschaften und Literarisches Schreiben in Hildesheim und seit 2015 in Leipzig. War Mitherausgeberin der Tippgemeinschaft 2017, der Jahresanthologie der Studierenden des DLL. Mitglied der Lyrikvereinigung Babelsprech. Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitschriften. Zuletzt Lyrik von Jetzt 3, Bella Triste, Gegenstrophe.

Ronya Othmann

Ronya Othmanns Gedichte beginnen gern im Irgendwo und streichen auch einmal eine Zeile durch, die sie geschrieben haben. Sie skizzieren, vollenden nicht, sie verrätseln, lösen nicht gern auf. Sie entlasten sich aber nicht von der Aussage und dem großen Thema. „wirf die löwenmäulchen hinter dich, du darfst dich nicht umdrehen. Lass alles zurück, was dich an sie erinnert.“ Mit dieser Reminszenz an den Orpheus-Mythos beginnt Ronya Othmann eines ihrer Gedichte, die nie übertitelt sind. „das dorf hat kein haus für dich, nicht einmal im wald lässt es sich wohnen.“ Ronya Othmanns Gedichten wohnen im Unbehausten, dort wo die Fragen anfangen und nicht beendet werden,leise und vorsichtig rauschen ihre Verse durch unbekanntes Land. Interglazial, Wölfe, Wiesenschleim, die Natur als Museumskunde des Ichs , als geheime Anthropologie.

Ronya Othmann, geboren 1993 in München, studiert seit 2013 Literarisches Schreiben in Leipzig. Sie schreibt Lyrik, Prosa, und Essayistisches und ist Teil des Performance-Kollektivs Kaltsignal und des Lyrikkollektivs GID. Auszeichnungen u.a. den MDR-Literaturpreis 2015. Caroline-Schlegel-Förderpreis für Essay 2017 und den Open Mike für Lyrik. Mitherausgeberin der Lyrikanthologie „Ansicht der leuchtendenWurzeln von unten“, die im Poetenladen-Verlag erschienen ist. Veröffentlichungen u.a. in Bellatriste, Lyrik von Jetzt 3, Jahrbuch der Lyrik, Taz am Wochenende. Ihr Lyrik-Debüt erscheint 2018 im Poetenladen-Verlag.

Jonas Linnebank

Jonas ‚Linnebanks Gedichte leiden unter dem Druck, nicht genug von der Welt gesehen zu haben. „ich habe nichts von der welt gesehen, keine gedichte über leben, keine wahrheiten, verstecke oder ecken, um die man denken könnte/ kein pestizid gegen die fliegen die an den weißen decken und wänden sitzen und ihre eier in den müll und die unruhe meiner wohnung legen/ keine medizin für das schrille drücken auf meinen augen& keine methode gegen das gefühl gemeint zu sein, ziel zu sein, den ganzen sinn der menschheit auszumachen […]“ Jonas Linnebanks Gedichte sind gern schrill, aber meinen es auch nicht ganz ernst, sie sind mitunter sehr heiter uind lieben Selbstverspottung. Seine Gedichte sind Collagen aus Schreibweisen, Literatur, Graffiti, Zeitungen und Wissenschaft. Lyrik, die sich nicht entscheiden kann, ob sie gutbürgerlich oder proletenhaft sein will. Gäste in Schrift und Ton sind herzlich eingeladen, es herauszufinden.

Jonas Linnebank, geboren am 1989 in Werl, lebt seit 2009 in Köln, hat dort German- und Anglistik studiert und schreibt seit 2011 Kurzgeschichten und Gedichte, die online und im print u. a. der mosaik veröffentlicht wurden. Zur Zeit arbeitet er am Aufbau eines Literaturforums und einer Zeitschrift Kliteratur. Er ist wichtiger als er sich gibt.

Moritz Gause

Moritz Gause ist seit einer Weile Dichter der Steppe. Er hat in Kargigistan gelebt, als Sprachassistent und Dichter. Und seine Gedichte wurden dort weit und groß, wie die Landschaften dort sind. „Als Kamelreiter würde ich Kapitänsmütze tragen und auf einen angemessenen Bart sparen/ den die Sonne bleicht./ es ist mir fast egal/ wie andre meine Metren bewerten/ ich glaube nur an Königin und Steppe/ denn beide sind treu/ unendlich und unberechenbar schön.“ Seine Gedichte sind verträumt, episch, leicht alkoholisiert und greifen nach dem unverwechselbar Schönen.

Moritz Gause wurde 1986 in Berlin geboren und wuchs dort, in Brandenburg und in Thüringen auf. In Jena studierte er von 2006 bis 2012 Kunstgeschichte und Literaturwissenschaft. In den Jahren 2009 bis 2015 entwarf, betreute und moderierte er in wechselnden Konstellationen mehrere Literaturprojekte, Lesereihen, literarische Werkstätten, Ausstellungen und Interventionen in Thüringen. Veröffentlichungen u. a. in: Akzente, Metamorphosen, Der Literaturbote, Lyrik von Jetzt3, Meditationen hinterm Supermarkt 2015, Blue Monday (Sukultur) 2016. Nach einem längeren Aufenthalt in Bishkek, Kyrgyzstan, lebt Gause in Berlin. Mit wechselhaftem Eifer betreibt er den Blitzableier. Sein erstes Buch erscheint im März 2018..

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