Tom Schulz, Die Verlegung der Stolpersteine, Freitag, 21. 4. 2017, 20 Uhr

Neue Gedichte von Tom Schulz: Lyrik wider das Vergessen, jenseits von Gedenktagen und Tagespolitik, bildstark und überraschend.

In seinen neuen Gedichten betreibt Tom Schulz poetische Gedächtnisbildung. Er steigt hinab in die „Keller, wo die Geweihe hängen“, steigt bis hinauf in die Kronen der Kirschbäume und setzt in jeder Schicht Erinnerungsmarken. Dabei beansprucht er das Phantomgedächtnis der Überlieferung, überblendet die eigene Erinnerung an die Kindheit in der DDR mit Szenen des brennenden Dresden und der Gegenwart der Pegida-Aufmärsche. Wohin uns diese Gedichte auch führen, nach Litauen, nach Mexiko oder zu den Kühen vorm Atomkraftwerk – Tom Schulz zeigt, dass das Stolpern, das Innehalten Bedingung ist für eine empathische Wahrnehmung der Welt, Bedingung für ihre Verbesserung.

Tom Schulz wurde am 18. August 1970 in Großröhrsdorf/Oberlausitz in der Nähe von Dresden geboren. Er wuchs in Ostberlin auf. Erste Gedichte veröffentlichte er 1989. Im Jahr 1997 erschien sein erster Gedichtband: Städte, geräumt
in der Laufschrift Edition. Er veröffentlichte seit 1992 in diversen Literaturzeitschriften wie in: ndl, Akzente, Manuskripte,
Bellatriste, Edit, Wespennest u.v.a. Von 1991 bis 2001 war er in der Baubranche in verschiedenen Firmen tätig. Seit 2002 arbeitet er als freier Autor in den Bereichen Lyrik, Prosa, Übertragungen. Er ist Mitherausgeber der Kneipenbuchreihe (zusammen mit Björn Kuhligk) im Berliner Taschenbuchverlag und Herausgeber der Anthologie: alles außer Tiernahrung – Neue Politische Gedichte (Rotbuch, Berlin, 2009). 2007 zog er nach Augsburg und wohnt seit 2011 wieder in Berlin. Er ist Dozent für Kreatives Schreiben und Lyrik-Workshops u.a. an der Universität Augsburg. Von 2011 bis 2014 leitete er die Schreibwerkstatt „open poems“ an der Literaturwerkstatt Berlin. 2016 erschien das Polen-Reisebuch „Das Wunder von Sadagora“.

Matthias W.



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