„Nach Trainspotting wollte ich Junkie werden!“

Der Regisseur Hannes Wesendonk und die Drehbuchautorin Josefine Rieks des herausragenden Musikfilms „U3000 – Tod einer Indieband“ im Gespräch mit dem ORi


ORi: Hannes, kannst Du etwas zur Entstehung des Films sagen? Du bist doch eigentlich Sänger? Was hat Dich darauf gebracht, einen Film zu machen?

Hannes: Ich hatte auf einmal Ideen für Geschichten. Und ich erzähle in Popsongs nicht gerne Geschichten, das kriege ich nicht hin und mag ich auch nicht. Also musste es ein Film sein.

ORi: Es ist fast unglaublich, dass Du einen so gut gemachten Film hinlegst, obwohl du eigentlich gar nicht aus der Filmbranche stammst. Kann man sich das alles selbst aneignen? Hast Du immer davon geträumt, einmal einen Film zu machen?

Hannes: Man kann das bestimmt alles lernen oder man kann es einfach intuitiv machen und dann die Probleme, die dadurch entstehen, lösen. So unschuldig werde ich nie wieder einen Film machen können, bei dem mir erst jetzt langsam dämmert, warum er überhaupt funktioniert. Das ist für mich alles letztendlich mystisch.

ORi: Wie kam es, dass ihr zusammen an dem Drehbuch gearbeitet habt?

Josefine: Ich wohne mit der Band zusammen, wir hängen also viel aufeinander. Hannes hat von seiner Idee für den Film erzählt, als im Fernsehen gerade alte Folgen Curb your Enthusiasm (dt: Lass es Larry, Anm. d. Red.) liefen. Dann war uns klar: so etwas wollen wir machen, eine fiktive Geschichte mit real existierenden Personen.

ORi: Die Dramaturgie des Films stimmt. Es ist temporeich erzählt, es gibt Klischees, wo man sie gern sieht, eine Menge Originalität. Gab es ein richtiges Drehbuch?

Hannes: Es gab nie ein gebundenes Drehbuch, wenn du das meinst. Es gab viele Zettel mit Dialogfetzen und anderen Textteilen. Es gab da unterstrichene Sätze, die auf jeden Fall fallen sollten. Der Rest wurde beim Dreh improvisiert.

Josefine: Wir haben uns viel mit dem klassischen Hollywoodfilm der 50er beschäftigt und die Geschichte sehr konventionell erzählt. Der Held Anska ist schon am Anfang der Geschichte tot und erzählt uns sein Schicksal im Rückblick. Ein alter Billy-Wilder-Trick.

ORi: Ihr erzählt vom Aufstieg und Niedergang einer Indieband in Berlin. Die dunkle Tragik hinter der Story schenkt dem Zuschauer Empathie, Mitgefühl. Habt ihr selbst als Band so etwas eigentlich schon erlebt?

Hannes: Die dunkle Tragik, wie du es nennst, sind wohl tatsächlich eher unsere Ängste, das, was passiert, wenn man die Kontrolle über seine Leidenschaften verliert. In Ansätzen haben wir alles erlebt, was im Film passiert, aber der Film blickt gnadenloser in den Abgrund.

ORi: Das Musik-Business kommt wahnsinnig schlecht weg in eurem Film. Muss man sich das wirklich als eine solche Horror-Box vorstellen?

Josefine: Die Szenen über das Musikbiz habe ich mir ausgedacht. John Nivens Kill Your Friends hat mich da bestimmt beeinflusst. Insgesamt bezieht sich das alles aber sicher mehr auf das Musikbusiness, wie es in den 90er gewesen sein muss, als auf das Gegenwärtige. Aber wer will schon Szenen über spotify schreiben.

ORi: Auf jeden Fall ist der Effekt des Films, dass man wahnsinnige Lust bekommt, auch Indiebandmusiker zu sein und all das mitzuerleben, vielleicht ohne Kopfschuss in einer Blutlache zu enden, sondern eher etwas erfolgreicher. Wolltet ihr dieses Gefühl erzeugen? Und welchen Tipp würdet ihr einer jungen Band geben, die jetzt anfängt?

Josefine: Nach Trainspotting wollte ich auch Junkie werden. Klar geht es darum, hineingesogen zu werden.

Hannes: Ich bin sehr stolz darauf, dass dieses Gefühl aufkommt.

ORi: Und der Tipp?

Hannes: Seid einfach ihr selbst. Nein, Spaß beiseite. No Answer.

ORi Balboa