Ulli Hannemann und Sarah Schmidt 16. Nov. 20 Uhr

Ulli Hannemann und Sarah Schmidt zu Gast bei: Read on my dear

Damals, als durch Neukölln noch nichts als eisige Polarwinde um die Ecken heulten, die Weserstraße verlassen dalag wie Brad Pitt nach der dritten Flasche Southern Comfort, der Quadratkilometer Wohnfläche monatlich weniger kostete als drei Stunden Hasenschänke, damals, vor zehn Jahren also, eröffnete das ORi. Und damals, ein paar Wochen später, fand dort eine Lesebühne ihre Heimat, die zu diesem Zeitpunkt noch – etwas ungelenk – „Ich fang nochmal an…“ hieß und später dann Read on, my dear. Jetzt, zehn Jahre später, finden sich Gäste und Veranstalter der ersten Stunde noch einmal ein, um zusammen zu lesen, zu lachen und zu trinken.

Er ist ein, nein: der eine, einzige, unerreichte Chroniqueur Neuköllns seit fast 250 Jahren, bereits derart lang im Kiez ansässig, dass er noch selbst miterlebte, wie rund um den Richardplatz Steckrüben angebaut wurden; Autor der Neuköllner Standardwerke „Neulich in Neukölln“ und „Neukölln mon Amour“; Großmeister des galligen Humors der lebensfrohen Verzweiflung: Uli Hannemann!

Sie ist die Königin vom Kotti, eine der wenigen gewählten Monarchinnen überhaupt, und sie schaut so gütig wie belustigt auf ihre Untertanen. In „Eine Tonne für Frau Scholz“ und „Weit weg ist anders“ hat sie der berliner Hinterhausoma und dem Kohlekeller ein Denkmal gesetzt; hier und in ihren Kurzgeschichten beweist sie, dass man die Welt und deren Bewohner sehr wohl gleichermaßen bissig und liebevoll kommentieren kann – wie es ja in Berlin seit jeher Brauch ist. Die Queen of Kreuzkölln: Sarah Schmidt!

Wenn wir lesen, „Austritt mit Hut“, denken wir zuallererst an ihn, bei dem es genauso gut „Eintritt mit Hut“, „Beitritt mit Hut“ oder „Arschtritt mit Hut“ heißen könnte: Frédéric Valin, Autor der hervorragenden Kurzgeschichtensammlungen „Randgruppenmitglied“, „In kleinen Städten“ und dann noch irgendwas mit Zidane. Da er als einziger der Vortragenden einer sog. anständigen Arbeit nachgeht, kennt er sich nicht nur in den sonnig-luftigen Höhen des literarischen Elfenbeinturms aus, sondern auch in der Kanalisation der Lohnarbeit: Frédéric Valin!

Es gilt, wie immer:

Eintritt frei, Austritt mit Hut.

Matthias W.