Und schlägt [ ] einmal zusammen was / Um zu sehen wie es innen sei / 23. November 2017, 20 Uhr

Zwei junge Autorinnen, zwei Romanprojekte und in beiden eine Hauptfigur, die durch ihre enigmatische Präsenz zur Faszination zwingt.
Das namenlose, entkörperte Ich in Ally Kleins „Carter“ wird immer wieder von rätselhaften somatischen Anfällen heimgesucht und redet, schnauft, keucht sich in die Körper seiner Leserschaft hinein. Bei einem Streifzug durch die Nacht trifft es auf sie – Carter, eine baalsche Erscheinung, die sich rückhaltlos von ihren Impulsen leiten lässt. In ihren Bann gezogen, ringt das Ich um Carters Anerkennung, doch scheitert letztlich an ihr. Was bleibt, ist die unsägliche Spur, die unbegreifliche Wirkung Carters, an welcher der Verstand nur zerbrechen kann.
In Olivia Kuderewskis „Lux“ sehnt sich die gleichnamige Heldin nach Straßen, lichterlohen Nächten und spontaner Selbstentzündung. Am liebsten würde sie ihr eigenes Leben vergessen und durch ein Roadmovie ersetzen. Nachdem sie ihr Geld zusammengekratzt hat, bricht sie in die USA auf, aber das Land der unbegrenzten Möglichkeiten macht es ihr nicht leicht. Die schäbigsten Hostelzimmer sind monatelang ausgebucht und niemand hält mehr für einen ausgestreckten Daumen an. Sie ist kurz davor zu verzweifeln – da begegnet sie Kat und die Vision vom wilden Leben wird plötzlich Realität. Aus dem Sensationshunger und der Lebensgier der beiden entwickelt sich ein raues Spiel um persönliche Grenzen, das die Sehnsucht nach Lebendigkeit stillt, aber einen hohen Preis hat.

Ally Klein, damals geboren, lebt und schreibt in Berlin. Aber sonstwo schon auch. Ihr Debüt „Carter“ erscheint im Herbst 2018 beim Literaturverlag Droschl.
Olivia Kuderewski arbeitet an ihrem ersten Roman, der seit Monaten fast fertig ist, hat bisher in unbedeutenden Anthologien veröffentlicht und noch keinen einzigen Literaturpreis gewonnen. Aber das kann ja noch werden.

Matthias W.



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