Warum Utopie?

,,Utopia ist ein ,Nirgendwo’, ein Ort der nicht existieren kann weil er zu schön ist um wahr zu sein.’’

Das Genre der utopischen Literatur entstand mit der Veröffentlichung von Thomas Morus ,,Von der besten Verfassung des Staates und von der neuen Insel Utopia’’ (1516). Morus beschreibt hier das harmonische Leben und Gemeinwesen auf einer fiktiven Insel Utopia. Die sich daraufhin entwickelnde utopische Literatur handelte wie auch die in der Renaissance beliebten Zeichnungen von ,,Idealstädten’’ von einer Stadt oder einem Land, in dem alles perfekt ist. Die Menschen leben in Harmonie und im Einklang mit der Natur, die Städte sind ästhetisch ansprechend gebaut, niemand ist arm oder reich und alle leben in einem Miteinander aus Solidarität als wäre es ein sozialistischer Traum.

Im 20. Jahrhundert kennen wir die Utopie meistens aus Filmen und Science-Fiction Büchern, obwohl hier die Dystopie immer mehr Verwendung findet. (Die Dystopie als Gegenteil zu Utopie mit dem Merkmal der Ordnung wird oft als eine Fiktion, die durch Chaos und Unterdrückung geprägt ist, verstanden.)

Aber warum erdenken Menschen sich solche Welten? 

Utopien und Dystopien werden oft als Science-Fiction angesehen, dabei beschreiben sie viel mehr die Probleme der Gegenwart als die Zukunft. Der Film ,,Metropolis’’ überspitzt bpsw. die Angst vor dem Kapitalismus und dem Maschinenzeitalter der 1920er Jahre, ,,1984’’ beschreibt die Angst der Menschen vor zu großer staatlicher Kontrolle, ,,Ready Player One’’ behandelt die Angst vor dem digitalen Zeitalter und dadurch einhergehende Entfernung von der Realität sowie die Folgen des Klimawandels, und: ,,The message of The Hunger Games is that we are all doomed, adults can’t be trusted and all you can do is screw up your courage, gather your weapons and fight to survive.’’ (Penny, Laurie. 2017, S. 433) 

Die genannten Beispiele waren alle Dystopien, aber auch Utopien beschäftigen sich viel mehr mit den Problemen der Gegenwart als zuerst erkennbar. Neue Wege zu erdenken wie Menschen leben wollen und die Konstruktion alternativer Gesellschaftsformen entspringen meist aus einer Unzufriedenheit mit dem Ist-Zustand. Nur sind diese neuen Wege viel schwerer zu finden.

Wir wollen mehr Utopie! Um unsere Städte zu verändern müssen wir zuerst neue Lösungen erdenken. Der Projektraum ORi – Künstlerische Bildmedien e.V. sucht Stadtvisionen von aktuell in Berlin arbeitenden Kunstschaffenden. Die vom 18.09.2020 bis 02.10.2020 geplante Gruppenausstellung wird sich mit Lösungsansätzen und Utopien rund um die Frage ,,Wie wollen wir leben’’ beschäftigen.

Bitte reicht eure Bewerbung in einem PDF unter ausstellung@ori-berlin.de bis zum 15.08.2020 ein.